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EMOTIONAL MOVEMENT / JAPANISCHE ARCHITEKTUR…

Objekte den Raum nicht einnehmen, sondern mit ihm fließen, die Bewegung der Luft und des Lichts nicht behindern. Gestalter formen gespannte Strukturen und hauchen ihren Objekten mit dem Breathe of Air Leben ein, geben ihnen so die Energie mit auf den Weg, die aus dem Fundus japanischer Kultur und Kunst lebt. Die Senusualität, EN, und RIN, kontrollierte Eleganz, in Einklang bringt. Die Metabolisten der japanischen Architektur verfolgten den Gedanken, den organischen, natürlichen Lebenszyklus, die Spannung zwischen Geburt und Wachstum, auf den Bau der Städte und deren Gebäude zu übertragen. Ein Gedanke, der sich in SORI findet, der sich dynamisierenden, aus dem Wachstums eines Baumes abgeleiteten Linie. Japanische Schwerter, das am Rande, folgten dieser Spannungslinie. Licht und Schatten werden zu visuellen Zeitmessern des Erlebbaren. Der Wert des Schattens hat als Pendant der ihn auslösenden Form Bedeutung. Möglich und denkbar in der Bedeutung des Gleichgewichts von hell und dunkel ist die Erinnerung an Vergangenes, als das Dunkel den geschützten Raum bestimmte. Japanische Architektur ist ein Agglomerat für Außenstehende schwer zu entschlüsselnder Symbolik. Und zugleich Zeichen einer besonderen Kunst, das Innen und das Außen zu verbinden, Flächen und Räume leben zu lassen und sie mit dem Leben zu verbinden. Emotional Movement.

TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE
MOSAIC TILE MUSEUM / TERUNOBU FUJIMORI

Geprägt ist Japan’s Architektur aber auch von Einflüssen, die nicht von Menschen ausgingen oder nur zum Teil Folge menschlichen Handelns und Bauens waren. In den Zeiten der aus Holz gebauten Siedlungen waren Großbrände nicht selten. Erdbeben zwangen zu angepassten Konstruktionen. Prägend war auch, dass Japan sich über Jahrhunderte von der übrigen Welt weitgehend abschottete. Der gelebte Kreislauf aus positivem Einklang mit der Natur und ihren Baumaterialien einerseits und den von der Natur ausgelösten Katastrophen mit ihren Zerstörungen konnte mit der Öffnung Japans zur Außenwelt nicht weiter akzeptiert werden. So entstand nach dem Großfeuer des Ginza-Viertels in Tokyo (26.Februar 1872) das erste Großprojekt in Stil, Material und Technik westlich geprägter Bauweise. Planung und Ausführung waren dem englischen Architekten Thomas J.Waters übertragen worden. Die Natur korrigierte das. Im großen Kanto-Erdbeben erwiesen sich die ‚importierten‘ Baustoffe und Bauformen als nicht sicher. Von da an setzte man auf Stahlbeton. Katastrophal waren auch die Folgen des zweiten Weltkriegs. Japan musste neu aufgebaut werden. Die wirtschaftlichen Zwänge wurden notgedrungen prägend. Für Traditionen war kein Raum. Das änderte sich mit dem zunehmenden industriellen Erfolg des Landes. Würdigung von Geschichte und Zukunft kamen zusehends in Einklang und ließen das entstehen, was Japan’s Architektur weltberühmt macht. Vorher, das darf nicht fehlen, befanden Architekten den Baustil Japan’s als so modern, dass er der Bauhaus-Strömung sehr weit voraus war. Die Einheit von Konstruktion, Gestaltung und modularer Gliederung in gegenseitiger Durchdringung von Wohnen und Natur wurden als beispielhaft betrachtet. Walter Gropius schrieb 1954 in einem Brief an Le Corbusier: „Das japanische Haus ist das modernste und beste, das ich kenne und wirklich vorfabriziert“. Den japanischen (Architektur-) Metabolisten reichten die damalig gültigen Gesetzte von Form und Funktion allerdings nicht mehr. Sie forderten die Einbeziehung der Gesetze von Raum und konstanter Veränderung von Funktion. ‚shinchintaisha‘ (Soffwechsel, engl. Metabolism) wurde zum Symbol für den Austausch von Material und Energie, zwischen Organismus und Außenwelt und zur Herausforderung zu regelmäßigem Ersetzen von Altem durch Neues.

TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE
S-HOUSE / YUUSUKE KARASAWA

CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE ist der Titel des Buches aus dem TASCHEN Verlag, das im Mai 2021 erscheinen wird. Der Untertitel konzentriert das vorher Beschriebene: Modern durch Tradition. Der Text des TASCHEN Verlag’s ergänzt: Die japanische Architektur gehört seit langem zu den spektakulärsten Baukünsten derWelt. Im 20. Jahrhundert wurden immer wieder Superlative bemüht, um die Extravaganz, Nachhaltigkeit und scheinbar unbegrenzte Kreativität zu beschreiben. Nicht weniger als sieben japanische Architektinnen und Architekten wurden mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Mit den experimentellen Kontruktionen der Expo ’70 in Osaka betraten die Metabolisten die Weltbühne und läuteten eine neue Ära ein. Seitdem fällt Japan eineSchlüsselposition in der globalen Architektur zu. Mit meisterhaften Betonkonstruktionen verhalf Tadao Ando der japanischen Baukunst zu weiterem internationalem Renomee. In der Folge bereiteten Architekten wie Kengo Kuma (Nationalstadion von Tokio, ursprünglich geplant für die Olympischen Spiele 2020), Shigeru Ban (Mount Fuji World Heritage Center) und Kazuyo Sejima (Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts in Kanazawa) den Wegfür nachhaltigere Ansätze. Jüngere Generationen entwickelten ihre Arbeit noch weiter im Einklang mit der Umwelt, Bautraditionen und verfügbaren Ressourcen – so zeichnen sich alle vorgestellten Architekten durcheine schier endlose Suche nach Formen aus, mit denen sie auf ihre Umgebung reagieren, anstatt Häuser amReißbrett zu entwerfen.

TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE

Dieses Buch zeichnet die jüngsten Entwicklungen in der japanischen Baukunst nach, indem es dieEinzigartigkeit des Erfindungsreichtums aus der besonderen Situation des Landes ableitet: eine hoheBevölkerungsdichte, eine moderne, effiziente Wirtschaft sowie die tragische Heimsuchung durch Erdbeben oder andere Katastrophen. So unterscheidet sich die japanische Architektur im Kern von der europäischen undamerikanischen durch die Fähigkeit zu akzeptieren, dass die Welt so unvorhersehbar ist wie die Spiegelungendes Lichts in Sejimas Museumsbau in Kanazwa.

TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE

 

Der Band im XL-Format präsentiert 39 Architekten mit insgesamt 55 Projekten, von Tadao Andos Shanghai Poly Theater, Shigeru Bans Konzerthalle La Seine Musicale über SANAAs Grace Farms, Fumihiko Makis 4 World TradeCenter bis hin zu Takashi Suos nachhaltiger Zahnarztpraxis – jeweils mit eindrucksvollen Bildern renommierter Fotografen, Originalgrundrissen, technischen Zeichnungen sowie konzeptionellen Beschreibungen und Kurzbiografien. Ein ausführlicher Essay zeichnet die Bauszene von den Metabolisten bis heute nach und verdeutlicht, dass ein Zusammenspiel von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft das Fundamentzeitgenössischer japanischer Baukunst bildet, wie es in keinem anderem Land möglich wäre.

Der Herausgeber: Philip Jodidio studierte Kunstgeschichte und Wirtschaftswissenschaften in Harvard und war über zwei Jahrzehnte lang Chefredakteur der französischen Kunstzeitschrift Connaissance des Arts. Zu seinenVeröffentlichungen bei TASCHEN gehören die Reihe Architecture Now! sowie seine Monografien über TadaoAndo, Santiago Calatrava, Renzo Piano, Jean Nouvel, Shigeru Ban, Richard Meier, Zaha Hadid und demnächstNorman Foster.

TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE
HIROSAKI MUSEUM OF CONTEMPORARY ART / TSUYOSHI TANE
TASCHEN Verlag / CONTEMPORARY JAPANESE ARCHITECTURE
WORLD TRADE CENTER / FUMIHIKO MAKI

 

Contemporary Japanese Architecture / Philip Jodidio / Hardcover, 24,6 x 37,2 cm, 3,64 kg, 448 Seiten / ISBN 978-3-8365-7510-2 (Deutsch, Englisch, Französisch)

Die Abbildungen hat der TASCHEN Verlag für diese Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Die Rechte liegen bei den jeweiligen Autoren bzw. dem TASCHEN Verlag. Kopieren bzw. Herunterladen der gezeigten Abbildungen ist untersagt. Titelbild: RIBBON CHAPEL von HIROSHI NAKAMURA & NAP