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FORM FOLLOWS CULTURE / BENOIT JACOB /BYTON-DESIGN…

Mangel an Keywords besteht ja nun nicht, seit Digitalisierung und Mobility im Gespräch sind. Jeder Begriff für sich besetzt eine vermeintliche Denk-Galaxie. Natürlich versehen mit dem Anspruch, dass die eine Entscheidung für die Zukunft der Menschheit genau an diesen Begriff gekoppelt sei. Es gab vor einer Ewigkeit einen französischen Kurzfilm. Noir e‘ Blanc- heute eher kultig, damals womöglich hatte der Verzicht auf Farbig/Bunt ökonomische Gründe. In Erinnerung blieb die Szenerie: Paris von oben en gros und en detail. Ein Lichtkegel wanderte von einem Platz zum anderen. Im Licht ein Mensch auf einem Podest, der eine Rede hielt. Umgeben von vielen Zuhörern. Das Licht wanderte weiter, der Redner stand im Dunkel und die Zuhörer rannten dem Licht nach zum nächsten Redner…

Ein paar Spots aus dem aktuellen Repertoire: Urban Mobility, Connectivity, Digitalisierung, Consumer Centricity, Big Data, Customer Journey, Virtual Reality, Urban Living / und Schluß mit der beliebig zu verlängernden Auflistung. Aus dem Text destilliert noch zu ergänzen wären Paris, Frankreich, genau hinsehen. Und jetzt wandert das Licht weiter nach Ismaning bei München. Wäre schön, wenn Sie mitkommen. Zum Design Headquarter von BYTON und zu Benoit Jacob, Head of Design von BYTON. Nun ist man bei diesem Car-Project auch nicht zurückhaltend mit den aktuellen Schlagworten. Data Power, Connectivity und Better Living markieren die Ausrichtung. Diese Begriffe allerdings dürften der Prägung eines Markenbilds ich sonderlich helfen. Denn Digital ist nicht oder nicht mehr qualifizierende Domäne nur eines Unternehmens. So gut wie alle, die Automobile anbieten, zentrieren ihre Argumentation auf Technologien, die alles sind, nur nicht mehr charakterisierende Merkmale eines Hauses, so wie das in der Welt der thermo-mechanischen Antriebe funktionierte. Das Risiko war immer schon, dass der Lichtkegel weiter wandert und woanders Aufmerksamkeit schafft. Das ist nun einmal so. Die Chance einer neuen Marke wird darin bestehen, die Gewichtung zu verlagern und den zentralen Aspekt von Mobilität zu fixieren. Und da steht nun einmal der Mensch mit recht klaren Ansprüchen. Lebensqualität. Identifikation in einem mobilen Zuhause und Vertrauen darauf, dass ein/sein Hersteller mit Achtsamkeit diese Ansprüche reflektiert. Technik können heutzutage alle. Das Irrlichtern beenden und den Fokus konstant auf einen zentralen Wert fixieren, das braucht Mut und ist zugleich die Chance. Enjoyable Life ist die Leitlinie von BYTON. Da sind wir dann schnell bei Paris und dem Savoir vivre. Und bei Benoit Jacob. Erst kommt Lebensqualität,  die nun mal heute und zunehmend in der Zukunft alle sinnvollen und verfügbaren technischen/digitalen Neuerungen nutzen wird – und nicht umgekehrt. Nur, wie lässt sich das in Form übersetzen? Eine Zahl noch zwischendurch, die Henrik Wenders, Marketing-Verantwortlicher der Marke, zu Beginn des Design Co-Creating Workshop nannte: 1.827.930.274 Stunden verbrachten Menschen weltweit am Montag, 9.Juli 2018, bis etwa mittags local time Ismaning in ihren Autos. Die werden nicht ununterbrochen über das Design ihrer Autos reden. Aber sich während der Fahrt wohlfühlen – oder eben auch nicht. Sie werden auch nicht neben ihrem fahrenden Untersatz herlaufen und die Form bewundern, an sie denken und sie mögen oder nicht, das könnte schon eher sein. Wie orientiert sich nun Design, wenn Enjoyable Time und Einjoayble Life eine Leitlinie von BYTON ist. Ein paar Statements aus einem Gespräch mit Benoit Jacob:

Die Welt muss nicht jeden Tag neu erfunden werden…

 

Der Prozess schafft die Zeit für Creativität…

 

Der Job ist nicht primär Design. Ich bin zuständig für Kultur…

 

Klarheit, Smartness und Authentizität sind Werte, die nur durch das Gesamtwerk übermittelt werden können…

 

Innovation da, wo es Sinn macht. Formale Innovation so, dass es Freude macht und Vertrauen schafft…

 

Dirigent sein, Regisseur und Bühnenbildner. Wenn der Vorhang aufgeht, ist das Auto fertig. Weil es einfach so ist, dass es fertig sein muss…

 

Wir wissen doch alle nicht, wie es in der Zukunft sein wird. Folglich sollte Form das Echo der Gesamtdynamik sein. Die Menschen sollen spüren, dass die Zukunft dem Dialog gehört, dem gegenseitigen Zuhören…